Perspektiven

el gusto español

 

...und da ist jetzt schon wieder etwas passiert!

Ein Mistkübel hat gebrannt. In Barcelona. Mitten in der Stadt. Gestunken hat der Kunststoff, der verbrannte. Auch der Inhalt, der danebenliegende, war unappetitlich. Ein Bankomat erstrahlte in grellem Lila: jemand hatte wohl einen Becher Yoghurt dagegengeschmissen. Und eine zertrümmerte Auslagenscheibe wurde von beherzten Leuten, die unseren MA 48ern ähnelten weggekehrt.

¡Huelga general! oder auch Vaga general (gesprochen: waga scheneral, das ist die katalanische Version von „Generalstreik“) in Spanien. Streik gegen Belastungsmaßnahmen, die zur Gesundung des Staatsbudgets beitragen sollen.

Donnerstag, 29. März 2012: meine Llalla und mein Abu sind in Spanien. In Barcelona. Mitten in der Stadt. Klar, daß wir uns Sorgen machen, als wir die „Zeit im Bild“ sehen. Denn da geht’s zur Sache.

Brennende Mistkübeln allüberall. Verpickte und mißhandelte Geldautomaten. Sprayschriften auf Bankgebäuden, die im übrigen auch sonst bisweilen solcherart „dekoriert“ sind. Geborstene Schaufensterscheiben. Absperrungen, Polizei- und Feuerwehrwagen mit nervös blinkenden Einsatzlichtern.

Llalla und Abu erzählen, daß sie zwar kurz in einem Modegeschäft „eingesperrt“ waren, weil sich die Inhaber vor der draußen auf der Rambla vorbeimarschierenden eher mickrigen Manifestación fürchteten und die Rollbalken runterließen. Ansonsten aber war die Lage so ruhig, daß man sich an einem Sonntagnachmittag in der Wiener Kärntner Straße wähnte. Die Blumenladen, die Zeitungsstände, die Vogelhändler – alles zu. Ein paar Restaurants zu. Die öffentlichen Garagen gegen Nachmittag geschlossen.

Im hafennahen Bereich der Rambla war ein großer Feuerwehreinsatz im Gange. Autos mußten vor Absperrungen anhalten. Fußgänger durften auch nicht weitergehen.

Da! Plötzlich Autos. Alle silbergrau. Aus ihnen hüpfen Leute mit Kameras, Mikrofonen, hirschen durch die Gegend. Filmen, halten irgendwelchen Leuten die Mikros vor die Gesichter.

Dann: die silbergrauen Autos fahren ab. Die Absperrungen werden hurtig entfernt.

Beim brennenden Mistkübel halten sie kurz und filmen ihn. Interviewed wird er nicht. Auch der glasscherbenkehrende Halbkreisingenieur erhält keine Chance, seine oscarreife Leistung verbal zu dokumentieren.

Am Abend des 29. März und am Morgen des 30. werden die Schreckensszenen via großflächiger TV-Schirme auch im Bereich der Boquería (= edelster Freßmarkt in Barcelona) ausgestrahlt.

Llalla und Abu staunen, was sie da am Vortag erlebt haben sollen und in welcher Gefahr sie geschwebt waren. Sie waren während des Tages, wie gesagt, einkaufen, frühstücken, in Castell del Remei – dort kommen Gotim Bru, Oda, 1780, Cérvoles und Estrats her –Wein verkosten und abends in Barcelona auf der Rambla unterwegs und dann in einem freundlichen Tapalokal speisen. Weder rüpelhafte Randalierer – die kommen erst, wenn die Chelsea-Fans beim Schlachten bummeln gehen – noch gewerkschaftlich aufgehußte Skandierchöre störten das friedliche Ambiente.

Vor kurzem gab’s eine Dokumentation auf Ö 1 (das ist das Hörfunkprogramm, das Bildung und Kultur vermittelt), die zeigte, wie Katastrophenszenen wie zB Bürgerkriegsunruhen, Riots in französischen Vorstädten gedreht werden: (fast) alles gestellt. Die Komparsen werden aufgefordert, sich kameragerecht aufzustellen, dann Steine zu werfen, wenn einer hinter den Kameras schreit: „Figurants – action!!!“

In Barcelona verlief’s offenbar so.

Seltsam: Daß ein Hund gebellt hat, fand kein mediales Echo.

 

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Will jemand einen schweren Wein genießen, kann man annehmen, daß sich das „schwer“ auf den Alkoholgehalt des erheischten Getränks beziehen möge. Also sollte man als verabreichender Berater so um die 13,5 bis 14,5 % oszillieren, um den Gast zufriedenzustellen.

Daß sich jemand Wein wünschen würde, der wegen seiner Belastung mit Schwermetallen in höhere Gewichtsklassen aufsteigt, ist wohl kaum anzunehmen.

Bewegt man sich per Auto von Österreich nach Genua, durchquert man via Autostrada bei Udine, Verona und im Piemont über zig wenn nicht hunderte Kilometer Weinplantagen. Weingärten sind das keine weil fast unüberschaubar groß!

Ob da Weine gemacht werden können, die man mit Genuß und unbe“schwert“ trinken kann? Vielleicht auch noch „Bio“weine?

Vorsicht ist geboten.

In Spanien halten sich Autobahnen und Weingärten in elegantem und diskretem Abstand voneinander.

 

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So ein Xindl! Da hat sich schon wieder einer den Doktortitel abschreibend erworben. Und dann sagt sein Mentor und Protektor auch noch, daß ja der Doktortitel keinerlei Ausschlag gegeben habe, um die politische Position diesem Herrn Dr. zukommen zu lassen. Eh klar: für den Protektor war das „Doktorchen“ ein willfähriger Unterschreiber von Gesetzen gewesen, deren Inhalt er wahrscheinlich weder gelesen hat noch verstehen konnte. Aber, um Einheit von géliebtem Land nicht zu géfährden, tritt man halt zúrück. Und Unrechtsbéwußtsein ist für Pólitclown doch ohne Bédeutung.

Köszőnőm széper für diese Léktion in Heimatliebe!*) Bei uns bedient man sich da eher der freiheitlichen Reimschmiede, die sinnreich auf Heimatliebe treffsicher mit "Fahrraddiebe" reimen. Wenn dort auch ein ergaunerter Dr. agieren würde, wär's zu erklären, daß dieser halt ein bißl zu wenig im Schäderl hat. Ist aber keine abgeschriebene Dissertation vorhanden, ist's halt Pech. Dann reimen halt unakademisch getarnte Koffer stumpfsinnig vor sich hin. Soll's auch geben. Sollte es aber nicht geben.

(*Die Akzente zeigen die hervorzuhebende Betonung der jeweiligen Silbe an, damit die Sprachmelodie entsprechend authentisch werde.)

 

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„Der kleine Hund steht in der Ecke und macht pipi“, lautet der Eröffnungssatz einer Internetkommunikation. Die Antwort: „Ein Klavier brennt länger als eine Geige“. Darauf der Eröffnende: „Wo liegt Jamaica?“ Antwort: „In diesem Fall ist der Bauer neben dem Turm zu sehen.“ Der erste: „Es regnet und hagelt zu Mittag.“

Usw. Usw.

Mit solchen Unterhaltungen kann man seit dem 1. April jene Leute erfreuen, die unsere Daten in Vorratskammern speichern. Und garantiert inhaltlich nicht lesen. Aber wo denn!

Aus solchen Informationsaustauschen müssen sie die Codes herausfiltern, um festzustellen, was da zwei oder auch mehr Leute aushecken. Denn die Vorratsdatenspeicherung ist ja zur prophylaktischen Verhinderung von Terrorismus da. So sagt man uns.

Ein lautes HAHA schallt da aus der Szene, die Terroristen beherbergt. Und das Lachen geht wohl in verkrampftes Nicht-mehr-aufhören-können über.

Unsereinen aber terrorisiert man mit dieser Vorratsdatenspeicherung schon.

Beispiel: Jemand geht täglich einen bestimmten Weg zu einer bestimmten Zeit zur Arbeit. Einmal wählt er allerdings eine andere Route. Just an diesem Tag geschieht zu jenem Zeitpunkt, an dem er auf dem normalerweise beschrittenen Weg an einer bestimmten Stelle vorbeikommen würde, ein Raubüberfall.

Weil er – geortet durch das mitgeführte Mobiltelefon – normalerweise dort passieren würde, wird dieser Jemand zu einer polizeilichen Vernehmung vorgeladen – so mit dem vollen Programm: Rsa, Postzettel etc. Dort wird er befragt, wo er denn zum Zeitpunkt gewesen sei. Er sagt, weil er sich nicht so ganz erinnern kann, daß er seinen normalen Weg gegangen sei. Perfid fragt der Vernehmende – der weiß aufgrund der Datenspeicherung selbstverständlich, daß der Jemand gar nicht dort gewesen sein konnte – weiter, was er von dem Raubüberfall, der sich just zu diesem Zeitpunkt ereignet hat,
mitgekriegt habe. „Raubüberfall? Welcher Raubüberfall?“ fragt der Jemand.

Und schon ist er als Lügner entlarvt, eventuell sogar als Komplize verdächtig: „Sie sind an diesem Tag woanders gegangen. Wieso sagen Sie, Sie wären Ihren normalen Weg gegangen?“. „Ich – äh – ich kann mich nicht so genau erinnern, wann ich wo gegangen bin.“ „Warum sagen Sie dann, daß Sie dort vorbeigegangen sind, wenn dies nicht der Wahrheit entspricht?“

Man kann sich unschwer vorstellen, wie es einem geht, wenn man in einer solchen Verhörsituation steckt, keine exakten Aufzeichnungen über seine BeWEGungen besitzt und man sofort einmal unter Generalverdacht gestellt wird.

Angst breitet sich aus. Angst, die uns Staatsbürger zu generalverdächtigen Objekten macht, die vom orwell’schen Großen Bruder permanent beobachtet, ausspioniert und vorausberechnet werden. Jene, für die die Unschuldsvermutung gilt, bleiben da wohl ungeschoren. Sie besitzen ja zumeist vollständige hieb- und stichfeste Alibiregistraturen, aus denen ihre Anwälte per Mausklick das richtig anzuwendende Modell herausholen und dem Richter vorlegen können.

 

In Deutschland wurde das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung gekippt, weil es den einschlägigen Normen der Verfassung widersprach. Bleibt zu hoffen, daß man sich auch bei uns ähnlich besänne.

Ansonsten bleibt nur ein biedermeierliches Zurückziehen von der Außenwelt: Computer wegschmeißen, nicht Fernsehen (der posttevaue Klogang zeigt aufgrund der Betätigung der Wasserspülung, daß man - arg stark vermutlich - soeben zusammen mit ein paar Millionen anderen Menschen FC Barcelona gegen Chelsea gewinnen gesehen hat; sollte man das Rückspiel versäumen und daher nicht zu eben der Uhrzeit aufs Häusl gehen, fällt bereits der Verdacht, irgend etwas Ungutes getan zu haben, auf einen.), nicht telefonieren (Handies und vor allem Festnetzgeräte sind irre einfach anzapfbar), nicht Autofahren (Tankstops könnten dem eigenen Fahrtenbuch widersprechen, nur weil man sich einmal in der Kilometrage geirrt hat), nicht einkaufen gehen (die Einkäufe im Supermarkt lassen auf Eßgewohnheit schließen, und wehe dann dem Vegetarier, der plötzlich eine Leberkäsesemmel für einen Freund mitnimmt: „Für wen haben Sie diese Leberkäsesemmel gekauft? Und warum?“), nicht verreisen, denn auch Reisegewohnheiten geben eine bestimmte Verhaltensart wieder, die bei Änderung bereits wieder die Verdachtskurve nach oben schnellen läßt.

Am besten in den Untergrund verschwinden.

Wenn aber viele in den Untergrund gehen, werden diese immer schwerer kontrollier- und manipulierbar.

 

Tut’s den Kaaaas einfach wieder weg!

 

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 Im Wahlkampf Al Gore gegen G. W. Bush lag ersterer in der Wählergunst relativ gut. Daß er dann immer mehr abfiel, gab seinen Beratern zu denken. Nach einer Analyse gaben sie Al Gore den strikt zu befolgenden Rat, er möge keine Nebensätze machen und nach Möglichkeit in seinen Reden nur Sätze verwenden, die nur wenig mehr als 5 Wörter – keine Fremdwörter, eh klar – enthalten sollten.

Al Gore verordnete sich virtuelle Blödheit, gewann immer mehr an Boden. Dennoch marschierte dann die authentische durch.

Die Brauunion beschäftigt Leute, die sich um ihre Facebookeintragungen und sonstige Veröffentlichungen dieser Art kümmern. Diese dürfen maximal 140 Wörter enthalten. Weil mehr die Konsumenten überfordern würden…

Frohe Ostern

Euer Laurin

P.S.: Schönen Gruß von Emilia und von Filip, meinem Cousin, der am 12. Februar 2012 das Licht der Welt erblickte


 

 

 

 

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